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Kolumne: PS4-Launchtragödie in 5 Akten - eine Tour de Farce

intellectual property of Carnyx Group Ltd 2013


"I did my best, I DID MY BEST", schrie er hinaus, die Hände zu Fäusten geballt nach oben gestreckt. So endete der 29.11.2013 für einen eingefleischten PlayStation-Fan namens Dave - nun, zumindest in meiner fiktiven, durch Überdramatisierung und wilde Gesten gekennzeichneten Welt. Warum? Nun, alles begann an einem ganz normalen Tag, ich glaube es war der 28. November des Jahres Zweitausendunddreizehn, es muss ein Donnerstag gewesen sein...

Ich saß mit meinem Buddy - ebenfalls ein (inzwischen) überzeugter, ja fast schon fanatischer Anhänger des Konsolero-Lagers - in meiner Bude und wir gingen gerade extrem wichtigen wissenschaftlich-statistischen Fragen nach. Plötzlich - und damit steigen wir in den ersten Akt dieser Tragödie des wahren Lebens ein - überkam es uns und wir brachten einen die letzten Tage schon langsam zur Reife gebrachten Gedanken vollends zur Aussprache: We need a PS4 - RIGHT NOW! Nun, zumindest right sobald der offizielle Launch dieser neuen Wundermaschine von Sony vonstatten geht. Wir wussten bereits, dass der frühstmögliche Zeitpunkt dafür der Vorverkauf im Sony-Center in Berlin an just diesem Tage, ab 18.30 Uhr sein würde. Nun, zumindest wenn man den legalen Weg beschreitet und nicht mit dunklen Tarnanzügen des Nachts in irgendwelche Lagerhallen steigt. Da wir keine dunklen Tarnanzüge besitzen und uns überhaupt solch ein Vorgehen ferne liegt, schien uns die Fahrt in die ca. 200 km entfernte Hauptstadt ein valides und überhaupt sehr vernünftiges Unterfangen zu sein. Mein Kumpel setzte nun also - euphorisiert vom Gedanken, schon Stunden (!) vor dem Rest der normalen Meute Hand an die wonnigen Rundungen des neuen DualShock 4 legen zu können und jedes Polygon des neuen Killzone mit den Augäpfeln zu umschmeicheln - alle metaphorischen Hebel in Bewegung, um an einen fahrbaren Untersatz zu kommen. Die Details und Hürden, die es dafür zu meistern gab, erspare ich euch an dieser Stelle. Viel wichtiger ist, dass wir wenig später tatsächlich in einem Auto saßen: auf dem Weg nach Berlin und in den zweiten Akt dieser Geschichte, inklusive einem gar famosen Lächeln in den Gesichtern. Alles war gut, alles schien toll, die Gespräche waren von Erheiterung durchquollen -wenn auch mit zunehmender Fahrtdauer vom Stachel der Unsicherheit durchbohrt. Flüsterte uns da etwa schon das Orakel von Delphi schaurige Mären ins Ohr? Noch konnten wir diese dunklen Vorahnungen beiseite wischen, redeten einfach noch etwas lauter miteinander, scherzten und regten uns über die Parkplatz- und Verkehrssituation Berlins auf. Schließlich kamen wir in einer Tiefgarage zum Stehen und das Schicksal nahm seinen Lauf...

Durch besagten Verkehr und eine verpasste Parkgelegenheit war die Zeit schon fortgeschritten und die ersten glücklichen PS4-Besitzer dürften bereits mit gierigen Griffeln Verpackungen aufreißen und HDMI-Buchsen an Konsole und TV mit Steckern....vollstecken. Davon überzeugt, dass auch wir schon in ein paar Stunden dasselbe durchleben würden und zu dem illustren Kreise zählen könnten, näherten wir uns frohen Mutes zu Fuß dem Sony-Center - sowie dem klaren Höhepunkt der Geschichte und Akt 3. Was wir am Ziel zu Gesicht bekamen, war dann leider weniger erquicklich: Herpetophobiker hätten bei dem Anblick, der sich uns bot, vermutlich einen mittleren Herzinfarkt und Atemstillstand bekommen, den es erwartete uns eine immens große Schlange. Den Mut noch nicht verlierend schritten wir diese entgegen ihrer Laufrichtung ab, um ihr Ende zu erspähen, doch mit jedem Schritte wurde klarer, wo wir hier waren: in Akt 4 der Tragödie, inklusive der leider fallenden Handlung. Die Katastrophe der Aussichtslosigkeit manifestierte sich schon als fader Geschmack auf unseren Zungen, als wir bereits einige Minuten unterwegs waren und mehrere Ecken (!) um das Gebäude liefen - noch immer unter den Augen beharrlich wartender Fans. Wie wir später erfuhren, waren um die 3000 Menschen dem vollmundigen Ruf Sonys nach Berlin gefolgt, hieß es doch, es seien genügend Konsolen für alle Interessenten da. Nun denn, wir waren einmal da, also stellten wir uns an und waren tatsächlich keine Minute später bereits nicht mehr die letzten in der Schlange.

Die nächste halbe Stunde war davon geprägt, dass wir alle paar Minuten einige Meter vorwärts kamen. "Vermutlich lassen sie immer nur wenige Leute gleichzeitig in den Store", mutmaßten wir. Nicht sonderlich toll, aber lässt sich nicht ändern. Als wir dann jedoch immer öfter um uns hörten, dass wohl nicht einmal 2000 Konsolen vor Ort sein sollen, brauchte es keinen Adam Ries um zu errechnen, dass es für uns äußerst knapp werden dürfte. Dann ging alles recht flott: wir entschieden uns, den Abend als Versuch abzuhaken und schlenderten aus der Schlange raus und vorbei wieder zurück zum Auto. Akt vier neigte sich dem Ende und das retardierende Moment ließ nicht lange auf sich warten: morgen stand uns schließlich noch der offizielle "normale" Launch der Konsole in allen Geschäften bevor und wir nahmen uns vor, diese Chance durch zeitiges Erscheinen an den Elektronikmärkten unserer Wahl zu nutzen, um dem tragischen Ende nochmal von der Schippe zu springen. Gesagt getan trafen wir uns am nächsten Tag zuhause 8 Uhr im Stadtzentrum und verteilten uns auf die Geschäfte, um die Erfolgsaussichten noch weiter zu erhöhen - Akt 5 beginnt. Tatsächlich waren wir auch hier nicht die ersten Verrückten, eine paar hatten sich schon eingefunden. Die Lage sondierend entschieden wir uns schließlich dafür, dass ich vor dem Media Markt verharre, mein Kumpel vor Saturn. Saturn stellte sich als schlechte Wahl heraus, raubte ein dort aufgestelltes Schild doch schon früh jegliche Hoffnung: "Keine frei verkäuflichen Konsolen hier und heute, ihr loser-N00bs! Get lost, oder bestellt hier noch für die zweite Charge im Dezember voll, ihr Vollpfosten" - zugegeben, ich paraphrasiere aus einem Mix von Erinnerung und Gemütslage. Alle Hoffnung lastete damit auf mir und meinem Geschick, den besten Platz in der immer größer werdenden Menschentraube vor den Rolltoren des Media Markts zu erahnen, der mir einen möglichst zeitigen Zugang zu einer PS4 ermöglicht.

Kurz vor Öffnung des Marktes ließen sich endlich ein paar auskunftsbefugte Mitarbeiter blicken, die verkündeten, dass die frei verfügbaren Konsolen an der Informationsstelle im Kassenbereich vertickt werden würden. Gut, da war ich nah' dran, die Spannung stieg. Dann appellierte man noch an den gesunden Menschenverstand und die Vernunft, indem man mahnte, nicht zu drängeln und zu schubsen, wenn alles aufgemacht wird. Ein Appell, der wohl ebenso rasch in den Ohren der Menge verpuffte, wie die Konsolen-Hoffnung der hinteren 1000 Leute in der Schlange Berlins vom Vortag. Denn natürlich drängelten die Leute - und ich war kurz froh, dafür nicht weit genug vorne zu stehen, um davon in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Doch dann dämmerte mir, dass ich auch nicht weit genug vorne stehe, um noch an eine Konsole zu kommen! Traurig sah ich dann zu, wie einer nach dem anderen glücklich die begehrten blauen Kartons vor meiner Nase wegkaufte und begriff, dass die Katastrophe nun nicht mehr abwendbar ist: keine Konsole zum Launch. Keine...Konsole...zum...Launch. Mein Buddy fasste das ganze Unterfangen schon am Vortag mit Worten zusammen, die ich nicht treffender formulieren könnte: es war eine "Tour de Farce". Aber schön war's trotzdem! Ach und ganz klassisch ist diese Tragödie dann doch nicht: ich habe zum Glück noch ein Killzone-Bundle vorbestellt, Lieferdatum voraussichtlich 23.12. - Weihnachten ist gerettet, und auch die Berichterstattung über die PS4-Titel in diesem Blog!


Habt ihr ähnliche Erfahrungen bei diesem oder einem anderen Elektronik-Launch gemacht? Wollt ihr öfter mal solcherlei Kolumnen von mir lesen? Dann schreibt in die Kommentare! 

Bis die Bälde,

Euer Dave

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