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The Rover (2014)

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"The Rover is not too far away from The Road" - wer bei diesem englischen Satz an mehr denkt, als an ein Auto, das am Straßenrand steht, der ist zumindest ein kleiner Filmkenner. Wer durch den Satz zusätzlich noch ein gesteigertes Interesse an Guy Pearce's neuem Film "The Rover" entwickelt hat, der sollte jetzt unbedingt weiterlesen. Alle anderen sollten es übrigens auch tun, denn man lernt ja nie aus...

Ein Mann sitzt im Auto, der Blick nach draußen könnte karger nicht sein, Tag, Hitze, Wüste, Australien halt, fast schon stereotyp klassisch. Er steigt aus, nachdenklich versunken, nur um wenig später in einem kleinen Haus mitten in der Pampa zu verschwinden, einem Haus, dass seine einzige Daseinsberechtigung dadurch zu besitzen scheint, dass es an einer Straße gelegen ist. Drinnen sitzt ein anderer Mann, alles wirkt seltsam, mit dem Neonlicht irgendwie rotlichtmäßig. Die Szene wechselt in ein fahrendes Auto, dessen Insassen - drei Männer - heftig streiten. Ob sie "ihn" hätten einsammeln müssen, das ist die große sie umtreibende Frage. Die Auseinandersetzung geht soweit, dass sich das Auto nach Handgreiflichkeiten schließlich überschlägt. Und das genau vor dem Fenster jenen unbedeutenden Hauses. Sich aus den Sitzen schälend klaut sich die Truppe schnell ein anderes Auto auf der anderen Straßenseite - mitten am Tag, aber wer soll es hier schon merken? Nun, Eric merkt es - besagter Mann vom Anfang, gespielt von Guy Pearce.

Er stürmt hinaus, kommt jedoch zu spät, sie sind schon losgefahren. Da das Unfallauto nicht komplett Schrott, nur etwas festgefahren ist, kann er dem Dreiergespann schließlich folgen und zu ihnen aufholen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung an dessen Ende Eric wieder alleine ist, ohne Auto. Der Rest des Films beschreibt die Suche nach seinem Gefährt, wobei er aber immerhin bald schon auf einen neuen GefährtEN trifft (see what I did here?) - Rey. Dieser gehörte einst zu der Dreiertruppe, war das zurückgelassene Streitobjekt im Auto und ist gesitig behindert. Robert Pattinson schlüpfte in diese Rolle und lieferte abermals eine überzeugende Leistung ab - und nein: ich habe keinen der Vampirfilme je gesehen, ich beziehe mich ausschließlich auf sein restliches mir bekanntes Portfolio. Eric ist jedoch weit entfernt davon, irgendeine Perso leichtfertig in sein Leben zu lassen, und so ist das Duo eher aus der Not heraus geboren, eine Zweckgemeinschaft, da sich beide letztlich brauchen: Eric will sein Auto, und Rey weiß, wo es sein könnte. Was an dem Auto so wichtig ist, wird freilich noch aufgeklärt - hier aber selbstverständlich nicht verraten. Was ich aber verraten kann, ist dass das Setting des Films kein gewöhnliches australisches Outback ist: nein, Regisseur David Michôd skizziert hier eine Welt zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der westlichen Wirtschaft. Asien hat jetzt mehr oder weniger das Sagen und die australischen Minen versprechen einerseits ein Stück vom Wohlstandskuchen und locken andererseits auch allerlei kriminellen Abschaum und paramilitärische Strukturen in die Gegend. Das Resultat ist ein sehr interessantes Bild  einer Zukunft, in der der Westen mal nicht der Nabel der Welt, sondern vielmehr Gehetzter, den Fortschritt nicht verpassen wollender Spielball ist. Dies alles wird dem Zuschauer nicht auf die Nase gebunden, nur am Rande und durch dezente Hinweise preisgegeben, und man könnte den Film auch schauen, ohne einen Großteil dieses Hintergrundes überhaupt zu erkennen. Und letztlich ist es auch nicht kriegsentscheidend. Was das Entscheidende ist, ist das Resultat: Die Menschen in diesem australischen Wüstenschmelztiegel sind sich fast allesamt selbst die Nächsten: Essen gibt es wenig, das australische Geld ist wertlos und so entscheidet Gewalt und perfider Geschäftssinn über Leben und Tod.

Von dieser dieser Gemengelage seltsam abgekoppelt wirkt Eric. Und er würde sich wohl auch nicht mehr als nötig in das Geschehen um sich herum einmischen, wenn ihm sein Auto nicht gestohlen worden wäre. Eric ist daher auch nicht der klassische Held, er ist auch kein Antiheld. Er hat den Glauben an die Welt einfach längst verloren, verfolgt keine hehren Ziele zur Rettung der menschlichen Moral und scheut sich nicht vor Waffengewalt, wenn ihm etwas im Weg steht. Als Beispiel möchte ich eine Szene mitten aus dem Film herausgreifen, nichts handlungsentscheidendes, nur exemplarisch: Eric bemerkt einen Mann, der in ein Haus verschwindet. Als er ihm hineinfolgt entdeckt er ein Bordell mit Kindern, geleitet von ihrer eigenen Großmutter. Diese bietet ihm beim Hereinkommen in ihr Zimmer sogar einen Jungen an, doch er will nur Wissen, ob sie sein Auto gesehen hat. Klar, man spürt einen inneren Konflikt, Eric kämpft mit seinen ihm früher innewohnenden Moralvorstellungen, Auffassungen von dem, was Richtig und Falsch ist. Doch letztlich macht es in seinen Augen keinen Unterschied mehr, ob er den Kindern hilft oder nicht, wenn die Menschen zu sowas in der Lage sind, kommt danach ein anderer, der es weiterführt. Eric ist kein Held, kein Antiheld, er geht einfach weg.

Ich könnte noch weitere Szenen aufzählen die belegen, wie verwahrlost diese Welt ist, die in The Rover skizziert wird. Und Eric ist dabei eben nur ein Rover, ein Wandernder durch diese Einöde. Kein Killer-Zombie-Virus, kein Krieg und keine Alien-Invasion waren für diese Apokalypse verantwortlich - und das macht es noch unerträglicher mitanzuschauen. Und man schaut dennoch gerne hin, weil eben auch Entwicklung stattfindet. Der zurückgebliebene Rey ist freilich ein Motor in dieser Geschichte, doch der Film driftet an keiner Stelle in rührselige Gefilde ab: wieder gilt, dass man sich die angesprochenen Themen und Erkenntnisse selbst erarbeiten muss, durch aufmerksames Hinschauen, verstehen, einfühlen und interpretieren, durch Diskussionen mit anderen. Und das ist es, was den Film von so vielen anderen Endzeit-Streifen positiv abhebt. Brutal und schonungslos, zugleich aber tiefsinnig und herausfordernd ist The Rover eines meiner absoluten Highlights in diesem Jahr!

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