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Blue Jasmine (2013)

intellectual property of Sony Pictures Classics


Cate Blanchett bekam für ihre Hauptrolle in Blue Jasmine dieses Jahr den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle. Grund genug für mich, mir den Film einmal näher anzuschauen...

Jasmine (Blanchett) kommt schnell ins Erzählen. Das wird gleich zu Beginn dieses neuesten Woody Allen Werks deutlich, als sie die sonst eher übliche Rollenverteilung umkehrt und einer alten Dame während und nach eines Linienfluges ein Ohr abkaut, ja ihre ganze Lebensgeschichte vor ihr ausbreitet. Wir merken schnell, dass Jasmine Einiges zu verarbeiten hat aus ihrer turbulenten Vergangenheit. Das Flugzeug brachte sie zu ihrer Schwester Ginger, einem eher schlichten Gemüt und eigentlich auch gar nicht ihre echte Schwester. Denn beide wurden als Kinder von demselben Ehepaar adoptiert, Ginger büchste jedoch beizeiten aus, fühlte sich damals weniger geliebt als ihre Schwester mit den "guten Genen". Und tatsächlich macht es rasch den Eindruck als träfen hier Welten aufeinander, denn Jasmine scheint mit all ihrem Schmuck und ihrer teuren Kleidung so gar nicht in die eher kleine Wohnung Gingers zu passen, geschweige denn zu deren beiden Kindern und dem neuen fast-Ehemann Chili mit seinem südländischen Temperament. Gingers Ex-Mann Augie - der Vater der beiden Kinder - ist derweil gar nicht gut auf Jasmines Gatten Hal (Alec Baldwin) zu sprechen, die Gründe hierfür erfahren wir aber erst Stück für Stück.

Blue Jasmine hat eine interessante Erzählweise, denn es gibt im Grunde zwei Ebenen, auf denen die Handlung vorangetrieben wird. Zum einen wäre da die Gegenwart, also Jasmines Ankunft bei ihrer Schwester in San Francisco. Ihr geht es dabei gar nicht gut, macht eine schwere Krise durch und kommt im Grunde nur notgedrungen auf Ginger als Stütze zurück, einer Frau, von der sie sich über die Jahre immer weiter entfernt hat, vor allem vom sozialen Status und der Lebensauffassung her. Zum anderen wird in eingestreuten Rückblicken immer wieder die Vergangenheit Jasmines beleuchtet, insbesondere ihre luxuriöse Ehe mit dem reichen Hal. Der Film gewinnt dadurch optisch an Kontrast, wird mir durch den ständigen Wechsel doch immer wieder der Aufstieg und Fall dieser Frau verdeutlicht - schicke Kleidung und Schmuck auf der einen Seite, Kittel der Zahnarztsprechstundenhilfe auf der anderen. Dinnerparties hier, einsame Stunden zu Hause da, und so weiter. Doch vor allem erlauben die Zeitwechsel eine gelungene Einsicht in die Denkweise von Jasmine - was nicht selten zu amüsanten bis entlarvenden Erkenntnissen führt: so spricht es doch Bände, wenn man gerade eben noch mit ansieht, wie Ginger ihre nervlich am Boden befindliche Schwester bei sich aufnimmt, nur um im nächsten Rückblick zu hören, wie Jasmine beim Shoppen mit einer Freundin abfällig über diese redet.

Über Woody Allens Privatleben mag man denken was man will, doch einen gewissen Charme kann man seinen Filmen wohl nicht absprechen. Und so umgibt auch Blue Jasmine eine bestimmte Aura, in diesem Falle eine teils beschwingte und leichte, teils eine zerdrückende, zerrüttende. Wenn es eine perfekte Balance zwischen Komödie und Drama gibt, Blue Jasmine kommt dieser ziemlich nahe. Getragen von Dialogen, die beim Zuhören einfach Spaß machen, befasst sich der Streifen mit Themen wie der Sinnsuche im Leben, Familienbande (und deren Zerrüttung) und dem Umgang mit Selbsttäuschung. Cate Blanchett spielt Jasmine wahrlich oscarreif und glänzt in allen Szenen. Sie haucht ihrem Charakter mit einer weiten emotionalen Bandbreite Leben ein, einer Frau, die gerade an ihrem eigenen Leben zerbricht, einem Leben ohne Blick zurück und ohne Blick nach vorn, die Augen nur auf eine glitzernde Scheinwelt gerichtet, aus der sie jäh hinausgeworfen wurde und ohne die sie nun herausfinden muss, was wirklich zählt. Ob es dafür ein Happy End geben kann, sollte jeder selbst herausfinden.



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