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Liberal Arts (2012)

intellectual property of Strategic Motion Ventures, BCDF Pictures & Tom Sawyer Entertainment

Heute möchte ich euch ein paar Zeilen über den neuen Film von und mit Ted Mosby...ääh Josh Radnor schreiben. Liberal Arts ist nach "Happythankyoumoreplease" nun der zweite Streifen, bei dem der "How I Met Your Mother"-Star  gleich auf drei Stühlen Platz nimmt: auf dem des Regisseurs, dem des Autoren sowie dem des Hauptdarstellers. Warum ich glaube und hoffe, dass wir in Zukunft noch sehr viel mehr seiner Schaffenskraft bewundern können werden, und weshalb ich diesen Artikel am liebsten handschriftlich verfasst hätte, das lest ihr im Folgenden...

Ich muss es gleich vorweg sagen: Liberal Arts ist für mich der bis dato beste Film des Jahres 2013 (er wäre es sicher auch in 2012 geworden, aber ich sah ihn erst in diesem Jahr)! Hoffentlich kann ich euch mit meinen nun kommenden, kümmerlichen Zeilen wenigstens im Ansatz beschreiben, warum ihr ihn euch unbedingt ansehen solltet. Zunächst möchte ich ein paar Worte zur Handlung verlieren (natürlich wie immer, ohne euch zuviel zu verraten): Josh Radnor spielt den in New York lebenden Jesse Fisher, der in der Zulassungsstelle einer Universität arbeitet und das Lesen liebt. Eines Tages bekommt er einen Anruf seines ehemaligen Englischprofessors. Dieser lädt ihn ein, ein paar Tage an sein altes College zurückzukehren und an seiner Abschiedsfeier zur Emeritierung teilzunehmen. Jesse lernt dort die 19-jährige Schauspiel-Studentin Zibby kennen (hervorragend gespielt von Elisabeth Olsen, der jüngeren Schwester der Olsen-Zwillinge), die Tochter von Freunden seines ehemaligen Professors. Beide verstehen sich von Anfang an hervorragend und kommen sich - zunächst intellektuell - über ihre Liebe zu Literatur, Musik und Philosophie näher. Jesse sieht sich in seine alte Studentenzeit zurückversetzt, womöglich romantisch verklärt, aber für ihn unwiderstehlich. Gleichwohl plagt ihn der Altersunterschied zwischen ihm und Zibby und es entsteht ein sehr interessant aufgespanntes Storygeflecht.

Ich könnte nun sicherlich auf vieles näher eingehen, möchte mich aber auf ein paar für mich entscheidende Punkte beschränken, die mir den Film zu solch einem Erlebnis gemacht haben. Da wäre zum Beispiel jene Episode, die die entstehende Brieffreundschaft zwischen Jesse und Zibby darstellt: die junge Frau führt den Mittdreißiger mit einer selbst zusammengestellten CD in die Welt der Klassischen Musik ein, und Jesse beschreibt daraufhin in seinen Briefen, wie die Musik seine Sicht auf New York veränderte, einer Stadt, zu der er zuvor ein eher zwiespältiges Verhältnis hatte. Allein jene Szenen sind so wunderbar gemacht, so abgestimmt auf und arrangiert mit der wunderbaren Musik, dass in mir nicht nur Lust auf Klassische Musik, sondern auch der Wunsch nach einer solchen Brieffreundschaft aufkeimte. Wieder einmal bemerke ich, was einem in der heutigen volldigitalen Welt verloren gehen kann: handschriftliche Briefe gehören dazu. Sie strahlen eine Mühe und Sorgfalt aus, zeigen, dass der andere einen so wertschätzt, dass er nicht nur Porto "opfert", sondern auch Zeit, den Brief zu verfassen und zur Post zu bringen. Das Schreiben an sich hat meist auch mehr Gehalt als eine Kurznachricht am Computer oder dergleichen, hat man doch mehr Zeit zum Überlegen des Inhalts, ist gebunden an die eigene Handschrift. Apropos: die Handschrift, ein Teil des Selbst und bei jedem Menschen anders, ist auch ein solcher Punkt, der dem Computer mehr und mehr anheim fällt. Mittlerweile werden wir alle in Times New Roman oder Calibri (oder Comic Sans MS, leider, leider) gepresst, ganz gleich, in welchem Gemütszustand wir gerade sind, wie viel Zeit wir zum Schreiben aufwenden oder welchen Charakter wir haben. Vielleicht bin ich hier zu sentimental, doch es wird mir immer klarer, je mehr ich darüber sinniere.

Ein weiterer Faktor von Liberal Arts ist die Betonung des Lesens. Ja, diese 97 Minuten sind nicht zuletzt eine wahre Ode an das Lesen, und Jesse ist oft mit einem Buch in der Hand zu sehen. Es ist schon faszinierend, wenn ein Film hierzu in der Lage ist, aber bei mir löste er eine immense Lust aus, eben mehr zu lesen, sich mit Literatur und klassischen Werken zu beschäftigen. Zumal die Dialoge im Film auch voll von davon inspirierten Bonmots und Sinnsprüchen sind, die man sich am liebsten sofort aufschreiben und auf den Schreibtisch stellen möchte. Ich könnte noch mehr zu diesem Film schreiben, zum Beispiel wie positiv überrascht ich von der schauspielerischen Leistung Elisabeth Olsens war. Aber ich finde, jeder sollte ihn selbst erleben und eigene Gedanken dazu finden. Für mich ist er so herausragend, weil er mich daran erinnerte, weshalb ich Filme als Kulturgut so liebe, und weil er mich inspiriert, mir Impulse für das eigene Leben gibt: Liberal Arts zeigt, welchen Wert es haben kann, sein Leben etwas zu entschleunigen, der Muße, dem Kreativen mehr Raum zu geben, und weniger Zeit mit Sinnfreiem zu vergeuden.


Fazit: Liberal Arts ist eine Hymne auf das Lesen, die Kunst und das Leben. Bewegend und inspirierend erzählt ist dies mein filmisches Highlight in diesem Jahr.





Kurzinfos:

Originaltitel: Liberal Arts

Land: USA
Regie: Josh Radnor
Hauptdarsteller: Josh Radnor, Elisabeth Olsen, Richard Jenkins, Allison Janney, Zac Efron
Genre: Comedy, Drama
Länge: 97 Minuten
Release: 22. Januar 2012 (USA)
Link: http://www.imdb.com/title/tt1872818/?ref_=sr_1

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