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The Last of Us (PS3)

Intellectual property of Sony Computer Entertainment America LLC.
Was fällt ihr ein, so einfach abzuhauen, sie ist doch noch ein halbes Kind! Wo ist sie nur hin? Ich mache mir Sorgen, ich muss sie schnellstmöglich finden! Vielleicht ging sie in das Einfamilienhaus inmitten dieser kleinen Ranch da vorn? Mir bleibt nichts anderes übrig, ich versuche mein Glück dort, ohne genau zu wissen, was mich in den vier Wänden erwarten wird. Bevor ich eintrete, überprüfe ich nochmal mein Equipment, habe ich alles…Moment, lieber nochmal alle Magazine vollladen, die Waffen für einen eventuellen Kampf auf kurze Distanz in Griffreichweite positionieren…den Bogen brauche ich hier sicher nicht, aber vielleicht die Schrotflinte? Habe ich noch Verbandszeug? Das alles sollte ich lieber jetzt bereitlegen, im eventuellen Kampf werde ich kaum Zeit finden, meinen Rucksack abzusetzen und andere Sachen zu suchen. Doch ich muss schnell machen, jede Sekunde könnte Leben oder Tod für sie bedeuten...



Sie, also Ellie, ist ein kleines Mädchen auf das ich aufpasse…naja, wohl eher aufpassen muss. Oder will? Ich weiß es selbst nicht mehr genau, doch in jedem Fall ist sie sehr wertvoll, nicht nur für mich. Wir durchstreifen schon eine ganze Weile die USA, sie kennt es gar nicht anders, so wie es jetzt hier überall aussieht. Alles zugewuchert und besiedelt von der ganzen Palette der Flora und Fauna – die Natur erobert sich alles zurück, sagt man doch so schön. Dabei hat uns die Natur das alles hier eingebrockt. Dieser Pilz mit seinen Sporen, ich könnte ihn verfluchen. Alles hat er mir genommen, was mir mal etwas bedeutet hat, mein Ein und Alles. Macht aus den Menschen willenlose Kreaturen, hässliche noch dazu. Sind alle nur mit dem Hunger nach Menschenfleisch ausgestattet. Manche sind noch nicht lange krank, rennen noch wie wild rum und suchen nach uns Gesunden. Andere sind schon fast mehr Pilz als Mensch, sehen nicht mehr gut. Aber sie hören dafür umso besser und machen immer diese Klick-Laute. Wir nennen sie daher Clicker, und von denen will man keinen am Hals haben, glaub‘ mir.

Was ich auf meiner Reise schon alles gesehen habe! Ganze Highways zugepflastert mit Autowracks und Müll. Halbverlassene Städte und alte Quarantänezonen, nur kontrolliert von einer handvoll paramilitärischer Gruppen, die den Rest der Bevölkerung ausbeuten, in Schach halten oder einfach niedermetzeln. Ja, die schlimmste Bestie bleibt immer noch der ganz normale Mensch…zumindest wenn er an den Rand seiner Existenz getrieben wird. Daher hielten wir zwei uns immer möglichst bedeckt – wen man nicht kennt, neben dem sollte man abends auch nicht einschlafen – damit sind wir bisher immer ganz gut gefahren. Ach ja, und ich heiße übrigens Joel, und das ist meine Geschichte. Ein Held bin ich sicher nicht, eher sowas wie das Gegenteil, oder eine Mischung. Helden gibt es heutzutage ohnehin keine mehr, jeder für sich selbst – das ist das Überlebensmotto. Und überleben, das kann ich gut.

Ich frage mich, worauf ich im Haus nun stoßen werde, vielleicht auf ein paar von diesen Infizierten. Hoffentlich nicht, oder besser: hoffentlich ist dann Ellie nicht da drin! Ich öffne vorsichtig die Tür und rufe Ihren Namen. Stille. Sie antwortet, ein Glück, es geht ihr gut! Da sie im oberen Stockwerk zu sein scheint, schaue ich mich erst einmal unten um. In den Schubladen und Kommoden finden sich sicher hier und da nützliche Utensilien, aus denen ich neue Vorräte basteln kann – Nagelbomben oder Molotowcocktails zum Beispiel. Wenn ich etwas gelernt habe in den letzten Jahren, dann dass man alles mitnehmen sollte, woraus man entweder Waffen oder Medizin herstellen kann. Aber am liebsten hätte ich noch ein paar Sachen, um mir ein Ersatzmesser zu basteln, die Dinger sind ungemein praktisch, wenn man lautlos Clicker erledigen oder mal eine Tür aufstemmen will, doch sie gehen recht schnell kaputt. Alles Mögliche ist hier noch an Ort und Stelle, so als könnte jeden Moment der Hausherr zurückkommen: der Fernseher, die Couch, Familienbilder an der Wand, Geschirr, Stühle, Esstisch. Doch es ist niemand hier, es wird wohl auch nie wieder jemand hier wohnen. Womöglich finde ich ein Tagebuch oder eine Notiz. Manchmal schreiben die Leute sowas, vielleicht um etwas von der Seele zu bekommen oder keine Ahnung warum. So bekomme ich Einblick in die einzelnen Schicksale. Aber eigentlich reicht mir mein eigenes auch schon aus.

Unten habe ich alles abgesucht, also auf nach oben. Ellie hat sich in ein Kinderzimmer zurückgezogen und liest in einem Tagebuch eines Teenagers, der hier wohl mal gelebt hat. Habe ich mir doch gedacht, dass wir hier so etwas finden würden! Dieses Bild mit ihr auf dem breiten Fensterbrett und angewinkelten Beinen ist wahrscheinlich das nächste an einer normalen Kindheit, das Ellie je erlebt hat. Sie kennt so etwas wie „Normalität“ nicht. Oder vielmehr ist die Welt nach dem Einzug dieser Sporen ihr Verständnis davon. Zwanzig Jahre ist der Ausbruch her, und ich lebe eigentlich schon viel zu lange, um dem Hier und Jetzt noch irgendetwas Gutes abgewinnen zu können. Ein Wunder also, dass sie eine relative Frohnatur ist.


Jetzt stehe ich inmitten dieses fremden Zimmers und es ist fast so als spielten wir kurz Vater-Kind und ich rufe sie zum Essen. Nur ist das nicht echt, und das wird uns spätestens jetzt klar, wo wir draußen auf einmal Geräusche von Männern hören. Mist, Plünderer, hier? Manche haben Schusswaffen, andere bloß irgendwelche Bretter oder Keulen. Aber in jedem Fall genug, um uns mächtig Ärger machen zu können. Sofort sind wir wieder im notgedrungen schon allzu routinierten Ausweich- und Angriffsmodus. Sie haben uns noch nicht bemerkt, daher lausche ich erst einmal intensiv, um wahrzunehmen, wo sie sind, und wie viele überhaupt. Darin bin ich mittlerweile äußerst gut, im Lauschen, meine ich. Alles um mich herum wird dann wie schwarz-weiß und ganz verschwommen. Doch wenn jemand läuft oder etwas sagt – selbst wenn es nur geflüstert ist – kann ich ihn quasi durch Wände sehen, ganz deutlich. Einige sind schon oben bei uns, jetzt heißt es schnell handeln. Manche kann ich im Handgemenge noch erwischen und erschlagen. Das Untergeschoss ist jedoch plötzlich in dicke Schwaden gehüllt, da muss jemand eine Rauchbombe geworfen haben. Also bleiben wir oben und warten auf den Rest der Truppe. Tatsächlich kommt einer hoch, ich erledige ihn aus nächster Nähe. Auf einmal trifft mich etwas im Rücken: ein weiterer Mann ist noch hier bei uns, steht neben dem offenen Türrahmen. Meine Schrotflinte ist schnell gezückt, ein Schuss ertönt, Blut besprenkelt die Wand hinter ihm und wir sind vorerst sicher. Ellie und ich sind wieder vereint, so etwas darf sie nie wieder machen. Einfach abzuhauen!


Gedanken zum Spiel

„The Last of Us“ ist das neueste Spiel der Uncharted-Macher Naughty Dog und doch in vielerlei Hinsicht ganz anders als die vorangegangenen großen Action-Filme im Videospielgewand rund um Nathan Drake. Abgesehen von ein paar Parallelen im Gameplay und dem Design, wie zum Beispiel die Third-Person-Ansicht und die Shooter-Mechanik, unterscheidet sich der neueste Streich des Studios in wesentlichen Punkten von der Uncharted-Trilogie. Das Spiel ist im Vergleich eher eines der leisen, aber bitterernsten Töne. Es ist teilweise so ernst, dass ich es persönlich nicht in längeren Phasen spielen konnte, sondern immer mal Pausen davon brauchte. Wenn ein Spiel es schafft, dass es einem aufs Gemüt schlägt, macht es wohl irgendetwas sehr gut. Und „The Last of Us“ macht sehr sehr viel äußerst gut. Nicht falsch verstehen: es zu spielen macht viel Laune, z.B. sich Taktiken zu überlegen, um aus einer brenzligen Situation herauszukommen. Auch das Gefühl beim Überleben eines schweren Kampfes oder beim Finden eines versteckten Raumes mit allerlei sehr nützlichen Ressourcen ist äußerst befriedigend. 

Nur liegt auf allem eine so unglaubliche Schwere mit Tendenz zur Trostlosigkeit, dass einen oft nur Ellie mit ihrem Frohsinn in den zahlreichen Gesprächen unterwegs vor der Trübsal rettet. So findet sie zum Beispiel ein Witzebuch und liest an mehreren Stellen daraus vor, manchmal selbst lachend, um dann festzustellen, dass sie die Pointe nicht verstanden hat. Oder sie versucht sich im Pfeifen und ist Stolz wie Oskar als endlich die ersten halbwegs hörbaren Töne erklingen. Köstlich! Es sind dann auch diese kleinen Episoden, weswegen ich Ellie ins Herz schloss. Zusammen mit Elisabeth aus Bioshock Infinite ist sie damit schon die zweite Videospielbegleiterin des Jahres, die man einfach beschützen will, weil sie so zauberhaft und voller kindlicher Begeisterungsfähigkeit sind. Die Story des Spiels fokussiert dann natürlich auch auf dieser Dynamik zwischen den beiden und ich als Spieler bin mitten drin, fiebere stets mit und möchte, dass es beiden gut geht. 

Eine weitere ganz klare Stärke des Spiels – auch zur Unterstützung der Story - ist die Grafik insgesamt und die Mimik der Charaktere im Speziellen: dieser PlayStation 3-Exklusivtitel scheint wahrlich alles an Leistung aus der schwarzen Kiste zu holen! Auch kleinste Regungen kann man in den Menschen erkennen, und die Umgebungen strotzen vor allerlei Details. Insbesondere haben mir die vielen Wohnungen gefallen, die ich auf meinem fast zwanzigstündigen Durchgang durchstreifte: manches war eher ordentlich, anderes wiederum verwüstet, aber immer konnte man sich vorstellen, dass jemand einmal da lebte. Letztlich merkt man dem Spiel hier und da doch an, dass die PS3 schon recht betagt ist: so sieht man z.B. des Öfteren Details recht spät ins Bild kommen oder Texturen laden manchmal zu langsam nach. Das sind jedoch eher kleine Mankos.

Die vielen Seitengeschichten anderer Menschen füllen die erschaffene Welt schließlich noch vollends mit Leben. Diese wurden teils durch hinterlassene Notizen und Tonbänder, teils auch einfach nur durch das Arrangement der Dinge erzählt, und man muss sich den Rest selber denken. Ich spielte übrigens auf dem Schwierigkeitsgrad „schwer“ und kann alle nur ermuntern, es ebenso zu tun. Recht zu Beginn gibt es eine Stelle, die einen fast dazu treiben kann, auf „normal“ herunterzugehen, doch wenn man dran bleibt, bekommt man einfach ein realistischeres Spielgefühl: alles ist tatsächlich sehr knapp, Munition will sorgfältig eingeteilt und Verbandszeug sparsam eingesetzt sein. Das Spiel ist des Weiteren exzellent ins Deutsche übersetzt - in Schrift und Ton. Die Sprecher sind in den allermeisten Fällen hervorragend ausgewählt und lassen den Wunsch nach der ebenfalls auf der Disk enthaltenen englischen Ausgabe eigentlich nicht aufkommen. Zudem ist der Soundtrack stimmig und stets passend zur Situation arrangiert – bravo auch dafür! Ein Extralob will ich auch für die Umfangreichen Sound-Einstellmöglichkeiten aussprechen: hier lässt sich nicht nur das eigene Boxen-Setup anpassen, sondern auch der Dynamikumfang justieren. Sehr vorbildlich!

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass „The Last of Us“ auch über einen Multiplayer-Modus (aber keinen Koop für die Kampagne) verfügt – diesen habe ich jedoch nicht ausprobiert. Resümierend möchte ich folgendes festhalten: nicht nur das USK-18-Siegel auf der Verpackung, sondern jede Szene des Spiels verdeutlicht, dass hier wahre Kost für Erwachsene geliefert wird. Und zwar nicht jene Art von Kost, die auch die Münder von Minderjährigen wässrig macht (Stichwort: „Guck dir an, wie die Köpfe wegspratzeln, Alda!“). Zwar ist das Spiel auch sehr brutal, aber es ist die Art von Brutalität, die man nicht in Liter vergossenem Blut und abgetrennten Körperteilen messen kann. Es ist jene der Kategorie „Kloß im Hals“ und „Was wäre wenn die Welt tatsächlich so etwas erleben würde“. Es ist die Art von Gewalt, die in TV-Serien wie „The Walking Dead“ aufblitzt und einen mit dem mulmigen Gefühl vor dem Fernseher zurücklässt, dass das Gezeigte womöglich nicht so weit weg von der Realität ist, wie man es sich wünschen würde. – Bitte spielen, danke!

Bitte schreibt in die Kommentare, ob ihr gern öfters in Games-Artikeln – wo passend - den Ich-Erzähler lesen wollt. Oder ist euch eine distanziertere Betrachtung lieber? Und habt ihr selbst schon "The Last of Us" gespielt? Wie habt ihr es empfunden?


Fazit: Nie traf die Bezeichnung „Spiel für Erwachsene“ besser zu als hier. "The Last of Us" ist nicht nur Naughty Dogs bisher bestes Game, sondern Maßstab und Ursprung für eine gereifte Art des interaktiven Geschichtenerzählens. Eine wahre Tour de Force - packend, bedrückend, dramatisch und unglaublich schön.




Kurzinfos:

Name: The Last of Us
Plattform: PS3
Entwickler: Naughty Dog
Publisher: Sony Computer Entertainment
Genre: Action-Adventure, Survival Horror
Release: 14. Juni 2013
USK: 18

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